Ein reales Beispiel der bisher erwähnten Raiffeisenbank in meiner Nähe:
Im Mai des Jahres 2015 haben die Mitglieder die Raiffeisenbank D auf Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen, mit der Raiffeisenbank H fusionieren.

Die Bilanzzahlen der übergebenden Raiffeisenbank D sahen (gerundet) folgendermaßen aus:

RaibaB

Die Zahlen der übernehmenden Raiffeisenbank H stellten sich wie folgt dar:

RaibaA

Der gesetzliche Prüfungsverband (Genossenschaftsverband Bayern e.V.) befürwortete die Fusion in der geplanten Form und bestätigte, dass er der festen Überzeugung wäre dass diese Fusion der beste Weg wäre.
Leider wussten es die Mitglieder der übergebenden Raiffeisenbank D nicht besser  und stimmten der Fusion zu.

Nach der erfolgten Fusion sieht das ganze nun so aus:
Sämtliche Positionen der Aktiv- und Passivseite der Bilanz der Raiffeisenbank D sind auf die Raiffeisenbank H übergegangen. Die Bilanz der übernehmenden Raiffeisenbank H  stellt sich nach der Fusion folgendermaßen dar:

RaibaA_1

Sämtliches Vermögen der Genossenschaft (Raiffeisenbank D) wurde damit ersatzlos in das Eigentum der Raiffeisenbank H transferiert.

Die Mitglieder der Raiffeisenbank D wurden automatisch Mitglieder der Raiffeisenbank H.
Aus einem Geschäftsanteil der Raiffeisenbank D in Höhe von 250 € wurden 2 (zwei) volle Anteile der Raiffeisenbank H sowie zusätzlich ein dritter Anteil mit einem Guthaben von 50 €, der vom Mitglied entweder auf 100 € aufgezahlt oder durch die jährliche Dividende aufgefüllt werden kann.

Statt einer Generalversammlung der 1.519 Mitglieder der Raiffeisenbank D gibt es nun noch 12 - 13 Vertreter, die an der Vertreterversammlung der Raiffeisenbank H teilnehmen dürfen, dort lediglich einen kleinen Anteil ausmachen und wenig bewegen können.

Rechtsnachfolger der Raiffeisenbank D ist die Raiffeisenbank H geworden. Die Durchsetzung berechtigter Belange der Raiffeisenbank D ist nun Sache des gesetzlichen Vertreters der (ehemaligen) Raiffeisenbank D, dessen Rechtsnachfolger nun der Vorstand der Raiffeisenbank H ist. 
Krass ausgedrückt bedeutet dies, dass der Vorstand der Raiffeisenbank H quasi gegen sich selbst prozessieren müsste wenn es um Ansprüche der ehemaligen Raiffeisenbank D ginge.

Die Bilanz der übergebenden Bank (Raiffeisenbank D) sieht nach der Fusion folgendermaßen aus:

RaibaB_1

Das in den langen Jahren des Bestehens der Raiffeisenbank D angesammelte Barvermögen, Grundbesitz, Wertpapiere u. dgl. gehört seitdem jemand anderen, nämlich der Raiffeisenbank H.  UNWIDERRUFLICH !

Und jetzt bitte ich Sie über folgendes nachzudenken:

Belange der Mitglieder kann auch mit Interesse der Mitglieder umschrieben werden. Und zu den Belangen, bzw. zum Interesse der Mitglieder gehört auch das finanzielle Interesse oder die finanziellen Belange der Mitglieder.

Ich bin der Meinung, dass ein ordentlicher und gewissenhafter Vorstand einer Genossenschaftsbank und gleichermaßen auch deren Aufsichtsrat verpflichtet ist, seine Mitglieder über deren mit der Fusion zusammenhängenden Belange ausführlich zu informieren. Und dazu gehört insbesondere die ausführliche Information über die finanziellen Belange der Mitglieder der übergebenden Genossenschaftsbank.

Eine lapidare Aussage, dass neben der beabsichtigten Fusion auch verschiedene weitere Möglichkeiten geprüft und anschließend verworfen wurden, zeigt nur, wie wenig Interesse den Mitgliedern entgegengebracht wird.

Ich bin überzeugt, dass jedes Mitglied sich über aufgezeigte finanziell wesentlich bessere Möglichkeiten bestimmt Gedanken gemacht hätte, wenn es darüber informiert worden wäre.

Ob die bereits erfolgte Fusion mit den finanziellen Interessen der Mitglieder der übergebenden Bank wirklich vereinbar war, müssen Sie als Mitglied selbst beurteilen. Ich möchte Ihnen auf den nächsten Seiten lediglich einige Denkanstöße geben.

Aber: Falls Sie zu der Ansicht kommen, es hätte besseres gegeben als eine Übergabe des gesamten Vermögens an die Raiffeisenbank H, dann denken Sie (aber auch die Vorstände und Aufsichtsräte der übergebenden Bank) bitte immer daran, dass der prüfende Genossenschaftsverband gar niemals nie nicht eine Schuld daran haben kann, da er immer und ausschließlich nach eigenem Bekunden nur eine beratende Tätigkeit ausübt und die Entscheidungsfindung einzig bei Vorstand und Aufsichtsrat liegt.....

Anders schaut es bei Vorstand und Aufsichtsrat der übergebenden Bank aus. Die sind nämlich gemäß § 25 UmwG 5 Jahre lang “zum Ersatz des Schadens verpflichtet, den dieser Rechtsträger, seine Anteilseigner oder seine Gläubiger durch die Verschmelzung erleiden. 

Davon ausgenommen sind lediglich Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder die beim Abschluss des Verschmelzungsvertrages ihre Sorgfaltspflicht beachtet haben.

Und unter Sorgfaltspflicht versteht man in einer Genossenschaft - wie Sie bereits wissen - 

die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters (bzw. Aufsichtsrates) einer Genossenschaft (und nicht einer Bank)